Sébastien Kher, die Kunst des kollektiven „Ich“

Wir trafen Sébastien Kher wenige Tage vor einer wichtigen Bekanntmachung seines Unternehmens. Im Gespräch resümiert er Stationen seines Lebens als Mensch und als Unternehmer, die für ihn besonders bedeutsam waren.

Kann es gelingen, beim Beschreiben eines Unternehmens-Chefs die üblichen Klischees zu vermeiden? Sébastien Kher, Vorstandsvorsitzender von Nomios, gibt mit seiner Persönlichkeit eine überzeugende Antwort. Er ist weit – sehr weit – entfernt vom Bild eines von sich selbst eingenommenen, verschlossenen Managers, der das Schiff steuert und alles sieht, versteht und voraussieht. Nach eigenem Bekunden fiel es ihm schon immer schwer, das Wort „ich“ zu sagen, weil für ihn kollektive Aspekte wichtiger sind als individuelle. „Allein sind wir nichts. Jede und Jeder hat eigene Stärken“, sagt der Manager.

Placeholder for Nomios HD 9587Nomios HD 9587

Der gebürtige Pariser ist schon in frühen Lebensjahren in die Arbeitswelt eingetreten. „Noch während meiner Studentenzeit wurde ich von einem britischen Unternehmen eingestellt. In Teilzeit arbeitete ich im Unternehmen, in Teilzeit setzte ich mein Studium fort“, berichtet er. „Damals habe ich viel über Flexibilität gelernt. Und mir eine bestimmte Einstellung gegenüber Kunden angewöhnt.“ Er wurde entlassen und am gleichen Tag wieder eingestellt. „Das war ein bemerkenswertes Beispiel für Flexibilität“, erinnert er sich lächelnd. Sein Mentor, ein gebürtiger US-Amerikaner, war für ihn eine bedeutsame Inspirationsquelle. „Er legte beim Telefonieren immer seine Füße auf den Tisch. Als ich ihn darauf ansprach, erklärte er mir, dass er Dank seiner entspannten Grundhaltung bessere Beziehungen zu seinen Kunden aufbaut“, erzählt Sébastien Kher. „Er war überzeugt, dass er den Kunden den Eindruck vermitteln müsse, dass er sie nicht wirklich brauchte. Der Erfolg gab ihm recht: Damals verdiente er zehnmal so viel wie ich.“

„Ohne ihre Unterstützung würde es mein Unternehmen nicht geben. Sie ist wichtiger als alles andere! - Sébastien Kher

Viele der Begegnungen von Sébastien Kher mit anderen Menschen haben sich als charakterbildend erwiesen. Die Begegnung mit seiner heutigen Frau war einer der Meilensteine auf seinem Weg. „Ohne ihre Unterstützung würde es mein Unternehmen nicht geben“, gesteht er offen ein. „Sie ist wichtiger als alles andere! Wenn Sie mich anruft, sage ich allen, auch meinen Kunden, dass ich eher einen Vertragsabschluss verlieren möchte, als meine Frau.“ Für Sébastien hat seine Familie in einem umfassenderen Sinne oberste Priorität. „Vor 8 Uhr morgens bin ich nicht zu erreichen. Und während des gemeinsamen Abendessens gehe ich nicht ans Telefon. Denn das sind Familienzeiten, die ich pflegen will.“

Placeholder for Nomios HD 9515Nomios HD 9515

Meine Frau ist wichtiger als alles andere

Die strikte Trennung zwischen privater und beruflicher Zeit gehört zu den Dingen, die Sébastiens Vater – ein weiteres wichtiges Vorbild – Sébastiens Frau ans Herz legte. „Mein Vater, ein Geschäftsmann, organisierte ohne mein Wissen ein Treffen mit meiner Frau. Nach der Scheidung von meiner Mutter hatte er einen veränderten Blick auf die schwierigeren Aspekte unternehmerischer Tätigkeiten. Er legte unbedingten Wert darauf, dass meine Frau Grenzen setzen müsse, um die Partnerschaft zu schützen“, berichtet Sébastien Kher. Diese Erinnerung ruft besonders stark Sébastiens Respekt für seinen Vater wach, von dem er seine „unternehmerische Denkweise“ übernahm. „Er war Inhaber eines Unternehmens im französischen Departement Vosges, und kämpfte unermüdlich dafür, Arbeitsplätze in der Region zu halten.“

Mit Vorbildern wie seinem Vater und einem jüdischen Großvater mütterlicherseits, der dem Krieg entkam und immer größte Liebenswürdigkeit zeigte, ist Sébastien Kher reich mit Tugenden gesegnet. Er selbst spricht aber auch von einem „immensen Respekt“ für Sportler wie Rafael Nadal: „Er ist authentisch freundlich und behandelt Menschen mit Respekt. Er ist sicherlich nicht so gewieft wie [Roger] Federer, aber seine Freundlichkeit nötigt Respekt ab.“ Der Gründer von Nomios schätzt sein eigenes sportliches Niveau nicht besonders hoch ein, legt aber Wert auf regelmäßige Trainingseinheiten beim Tennis. „Ich bin Mitglied in einem Verein und spiele einmal pro Woche“, sagt er. Als Kind erfolgreicher Sportler – sein Vater spielte international, seine Mutter in höheren Ligen Volleyball – war sportliche Betätigung auch für ihn ein Muss. „Ich war in keiner Sportart jemals brillant. Aber nach wie vor genieße ich Tennis, Golf spielen und Skifahren.“ Nach seiner Sicht auf Sport befragt, antwortet Sébastien Kher, er sehe Sport „als eine Art Luftschleuse“. „Ich brauche keinen Wettbewerb, um Sport voll und ganz zu genießen“, sagt er.

Wie fügt sich die Gründung von Nomios in diese Geschichte ein? Auch als Chef eines auf Cybersecurity spezialisierten IT-Dienstleisters ist Sébastien sehr bodenständig geblieben. „Ich lege Wert darauf, in jedem Quartal ausführlich zu kommunizieren und meine Teams mit Informationen über das Unternehmen zu versorgen“, erklärt er. Eine verlässliche Beziehung zu anderen Menschen aufrecht zu erhalten, ist für ihn entscheidend. Weil die Beziehungen zu anderen Menschen und das Bedürfnis, sich auszutauschen, nie versiegen werden. Trotz seines vollen Terminkalenders betreut Sébastien Kher seine Kunden weiterhin persönlich – und sorgt gleichzeitig immer dafür, zum Abendessen um 19:45 Uhr bei seiner Familie zu sein.

Updates

Nachrichten und Blogartikel